Bewusstseinsbildung mit Videos für die Notlage in Nuba

30th Apr 2013
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Für den britischen Foto- und Videografen Richard Budd begann es mit einem einzigen Foto: Ein Junge aus dem Nuba-Gebirge im Bundesstaat Dschanub Kurdufan im Süden Sudans, der nicht begreift, warum seine Schule geschlossen wird. Das Gymnasium, eines der wenigen, die nach 21 Jahren Bürgerkrieg noch funktionierten, bekam kein Geld mehr von in New Orleans wohnhaften Sudanesen, die beim Hurricane Katrina alles verloren hatten.
Das Nuba-Gebirge liegt an der Grenze des neu gegründeten Südsudan. Mit der Unterzeichnung einer umfassenden Friedensvereinbarung 2005 hatte man gehofft, den bereits 21 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen dem Norden und Süden beenden zu können. Mit der Gründung des Landes Südsudan 2011 schien sich das auch zu bewahrheiten. Die Vereinbarung sah vor, dass South Kordofan und der Nachbarstaat Blue Nile zwar selbstständiger werden, aber immer noch der Regierung im Nordsudan unterstellt sein würden.

Im Juni 2011, d.h. einen Monat vor der Abspaltung des Südsudans, veranstaltete die sudanesische Regierung von Omar al-Bashir ein Massaker in Kadugli, der Hauptstadt von South Kordofan und bombardierte den gesamten Staat – daran hat sich bis 2013 nichts geändert. Im September 2011 wurde dann auch der Staat Blue Nile angegriffen, was zu einem nicht abreißenden Flüchtlingsstrom führte.
Viele Nuba leben weiterhin im Sudan und verstecken sich in Höhlen, von wo aus sie die Flugzeuge hören. Die gesamte Ernte wurde zwei Mal nacheinander zerstört, so dass die Menschen nichts mehr zu Essen haben. Medikamente und Impfstoffe gibt es nicht mehr – und im ganzen Bundesstaat Dschanub Kurdufan kümmert sich nur noch ein Chirurg um die Bombenopfer. Trotz zahlreicher Abkommen hat die sudanesische Regierung ausländischen Hilfsorganisationen den Zutritt zur dieser Region bisher verweigert.
Über 70.000 Nuba hausen mittlerweile im Yida-Flüchtlingscamp im Unity, allerdings begrenzen die Vereinten Nationen die Nahrungsanfuhr, um die Nuba dazu zu bewegen, woanders hinzuziehen. Viele sterben auf dem langen Weg in die vermeintliche Sicherheit. Andere kehren zurück ins Gebirge, weil es im Camp keine Chirurgen gibt.
Die ungefähr eine Million Nuba sind über mehrere Stämme verteilt, die aber alle den gleichen Toleranzgrundsatz für andere Stämme und Völker praktizieren. Diese Toleranz hat zu einer unfassbaren Harmonie geführt: Von über 50 verschiedenen Sprachen, der christlichen, Muslim- und animistischen Religionen. Familien mit christlichen und muslimischen Mitgliedern sind dort keine Seltenheit.
Nach einer Spendenaktion konnte Richard ein neues Gymnasium im Nuba-Gebirge aufbauen. Der nächste Schritt ist jetzt die Bewusstseinsbildung über die Lage der Nuba, weil die Einwohner einem wahren Völkermord ausgesetzt sind. “Nuba Now” möchte die Öffentlichkeit aufklären, die Medien informieren und die Abgeordneten zu einer Antwort auf die dramatische Lage der Nuba bewegen.
Eines der wichtigsten Bedürfnisse für viele Flüchtlinge im Yida-Lager ist die Schulausbildung der Kinder: Nur 2% der Flüchtlinge haben einen Grundschulabschluss. Leider stufen die Vereinten Nationen die Lager im Bundesstaat Unity als Übergangslösung ein, weil sie sich nahe der gefährlichen Grenze befinden und daher nur die Grundbedürfnisse decken können. Die Nuba dagegen haben ihre eigenen Schulen gegründet, wo freiwillige Lehrer Klassen von bis zu 150 Schülern unterrichten, die auf Baumstämmen sitzen und über so gut wie keine Lernmaterialien verfügen.
Als erfolgreicher britischer Werbefotograf hat Richard entdeckt, dass er mit seiner erzählerischen Berichterstattung vieles bewegen kann. Nach mehreren Aufenthalten im Sudan besuchte er Ende 2012 das Flüchtlingslager Yida im Südsudan, um die dramatische Lage dieser außergewöhnlichen Menschen an die Öffentlichkeit zu tragen. Mit seiner digitalen Spiegelreflexkamera und einem RØDE VideoMic Pro führte er mehrere Interviews und erstellte Beiträge über die Nuba-Kultur, deren Überleben so langsam in Gefahr ist.
Dieser bewegende Dokumentar-Kurzfilm von Richard und seiner Frau Claire (einer ehemaligen Fernsehjournalistin der BBC) schildert die Menschlichkeit der Nuba und ihren täglichen Kampf ums nackte Überleben. In einem Interview berichtet Bischof Andudu von den Ängsten, denen die Nuba ausgesetzt sind sowie von den Herausforderungen, denen sie sich fern ihrer Heimat, ohne Aussicht auf Landwirtschaft und mit vernachlässigbaren Mitteln stellen müssen.
“Jeder Sudan-Besuch war einerseits hart und andererseits eine enorme Bereicherung für uns”, berichtet Richard. “Der letzte Besuch war der härteste, weil ich die erbärmliche Lage dieser Volksgruppe mit eigenen Augen sehen konnte. Was diese Menschen in den vergangenen zwei Jahren erlebt haben, ist unmenschlich und völlig ungerechtfertigt, wenn man ihre wunderbare, weltoffene Einstellung kennt. Bestimmte Zustände werde ich wohl nie mehr vergessen, bewegende Geschichten, die man teilweise kaum erzählen kann. Manchmal habe ich mich hinter meiner Kamera versteckt und einfach nur geweint. Die Menschen, denen ich begegnet bin, waren aber trotz ihrer aussichtslosen Lage tapfer und sogar hoffnungsfroh. Viele Frauen haben Kinder verloren. Man mag gar nicht daran denken, was sie durchlitten haben.”
Nuba Now” möchte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Schlachtung der Nuba richten, um zwei Dinge zu erreichen: Die Einrichtung einer Flugverbotszone über Dschanub Kurdufan, um sicherzustellen, dass die Regierung keine Unschuldigen mehr mit Bomben töten kann. Zweitens muss die Sperre für humanitäre Hilfe im Nuba-Gebirge sofort aufgehoben werden, um zu verhindern, dass tagtäglich viele weitere Nuba verhungern, da sie ihr Land nicht bestellen können.
Für diese Kampagne wurden eine Twitter- und eine Facebook-Gruppe eingerichtet, um die Öffentlichkeit zu informieren. Dort kann man eine Online-Petition unterschreiben und einen Brief der Sorge an seine Regierung oder einen bestimmten Abgeordneten schicken.
Die “Nuba Now”-Kampagne bittet also nicht um Spenden – es werden vor allem Menschen gesucht, welche die Botschaft verbreiten.
Richard sammelt allerdings über die “Key to the Future”-Organisation Spenden für die Nuba. (Wohltätigkeitsorganisation registriert unter der Nummer 1137547.) Für Hinweise und Infos schicken Sie bitte eine E-Mail an richard@richardbudd.co.uk.

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